Die Menschen haben ein Recht auf gute Pflege, und gute Pflege orientiert sich am Bedarf .

Kiel. Gute Organisation ist alles: Um Punkt 12.44 Uhr begann am Donnerstag vor dem Haupteingang des Städtischen Krankenhauses Kiel (SKK) in der Chemnitzstraße die Auftaktkundgebung für die bundesweite Aktion „Olympischer Brief an Spahn“. Etwa 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter folgten dem Aufruf der siebenköpfigen Aktionsgruppe „12:44 – Aktiv im Städtischen“, darunter drei Mitglieder des 17-köpfigen Betriebsrates, und sammelten sich für eine kalte halbe Stunde um einen fahrbaren Metallkoffer. Dessen geöffneter Deckel trug die Kernbotschaft: „Mehr von uns ist besser für uns alle“. 

Im Koffer ruhte eine 40 Meter lange, zu Beginn noch leere Papierrolle für jede Menge Unterschriften zu einem Klartext-Brief, der am 5. Juni, zur Gesundheitsministerkonferenz in Leipzig, an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) übergeben werden soll (Auszüge unten). Eine
„Klagemauer“ zeigte Wunschzettel von Pflegekräften. „20 Prozent mehr Geld (brutto) für qualifizierte und gute Arbeit, kein Nachtdienst mehr allein, besserer Stellenschlüssel, verlässliche Dienstpläne“ war zu lesen. Oder: „Mehr Zeit für PatientInnen und Einhaltung der vorgeschriebenen Hygienevorschriften“.Adressat Spahn hatte kürzlich Personaluntergrenzen in der Pflege eingeführt, von der die Pflege-Profis keine Entlastung erwarten. „Spahns Mindestpflege lehnen wir ab“, erklärte Manuela Rasmussen, Krankenschwester im SKK seit 35 Jahren. „Wir wollen nicht an der Untergrenze versorgen. Wir brauchen eine echte Personalbemessung. Ein Krankenhaus ist keine Fabrik – das muss endlich in die Köpfe der Verantwortlichen.“ Pflegekräfte, die nicht in der Verwaltung, sondern am Krankenbett arbeiteten, kämen nicht mehr dazu, die Patienten so zu umsorgen, wie es nötig sei. Sie bekämen etwa zu hören: „Waschen wird überbewertet.“Das Problem sei Politikern und Akteuren im Gesundheitswesen in Stadt, Land und Bund klar, an die sich die „12:44“-Aktionsgruppe bisher gewandt habe, sagte Helmut Oeverdieck, stellvertretender Vorsitzender des SKK-Betriebsrats: „In Gesprächen höre ich in letzter Zeit öfter ,Aber Herr Oeverdieck, wir ziehen doch alle an einem Strang!’ – Aha. Aber vielleicht sollten wir einmal klären, in welche Richtung wir ziehen!“ Unter dem Beifall derer, die in der Kälte ausharrten, richtete Oeverdieck „ein großes Dankeschön an die Kollegen auf den Stationen, die es möglich machen, dass ihr und wir hier stehen“.SKK-Geschäftsführer Roland Ventzke habe die Demo erlaubt, aber beabsichtigte Aktionen auf den 26 Stationen und Ambulanzen des Hauses mit seinen 1875 Mitarbeitern, darunter etwa 650 pflegerische, untersagt. Verdi-Fachbereichssekretär Christian Godau hob das Engagement der gewerkschaftlich organisierten Aktiven hervor. „Ich will versuchen, dass der Funke überspringt. Egal ob SKK, UKSH, Preetz, Lubinus oder Helios – wir haben als Arbeitnehmer die gleichen Interessen. Die Arbeitgeber begreifen sich als Konkurrenten. Das sollten wir nicht tun.“

 

 

Özlem Ünsal, SPD-Landtagsabgeordnete, erklärte, die Situation in der Pflege und im Gesundheitswesen sei prekär, „wer das leugnet, sieht die Wahrheit nicht“. Sie sollten sich gegen diese Zustände „immer lauter und sichtbarer wehren“, ermunterte Linken-Ratsfrau Margot Hein, Altenpflegerin, die Pflegekräfte und dankte ihnen für ihre „tagtägliche, für unsere Gesellschaft unverzichtbare Arbeit“. SPD-Landtagsabgeordneter
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